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18.10.2017 | 19:00 Uhr

„Die Mörder sind unter uns“

Die frühen DEFA-Spielfilme V

 

 
Eine neue Vortrags-Filmreihe im VERDO mit Hans-Wolfgang Lesch

 

 


„Die Mörder sind unter uns“

- Die frühen DEFA-Spielfilme V -


„Die Mörder sind unter uns“ ist nicht nur der erste Spielfilm der am 17. Mai 1946 mit tatkräftiger Unterstützung der Kulturabteilung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) gegründeten „Deutsche Film AG“ (DEFA), sondern auch der erste deutsche Nachkriegsfilm überhaupt, der zugleich die Situation Nachkriegsdeutschlands und der vorangegangenen Kriegszeit thematisierte.

Dass dieser Film bei der DEFA entstand, hat eine skurrile Vorgeschichte. Wolfgang Staudte, der später zweifellos bedeutendste deutsche Nachkriegsregisseur, hatte ein Drehbuch verfasst und ging damit, weil er im englischen Sektor von Berlin lebte, zuerst zur englischen Besatzungsmacht, die aber genauso wenig Interesse zeigte wie die französische und danach die amerikanische. Der sowjetische Kulturbeauftragte, Oberst Sergej Tulpanow, stellte Staudte die nötigen Gelder zur Verfügung und damit „landete“ er bei der DEFA. Und er fand mit der Anfängerin Hildegard Knef eine Hauptdarstellerin, ohne die die deutsche Nachkriegsfilmgeschichte nicht gedacht werden kann.

Der Film spielt im Jahr 1945 im zerbombten Berlin. Der ehemalige Militärarzt Dr. Mertens hat sich in einer leerstehenden Wohnung „eingerichtet“ und wird dort von der aus dem KZ zurückkehrenden Fotografin Susanne Wallner angetroffen. Man arrangiert sich. Durch einen Zufall begegnet Mertens seinem früheren Hauptmann, der inzwischen ein erfolgreicher Unternehmer geworden ist. In einer Fabrik lässt er Wehrmachtshelme zu Kochtöpfen umarbeiten. Am Weihnachtsabend 45 erinnert sich Mertens der Weihnacht 1942, an der der Hauptmann Brückner 121 polnische Zivilisten erschießen ließ. Er macht sich auf, um Brückner nach dessen Betriebsweihnachtsfeier zu erschießen. Susanne, die ihm gefolgt ist, kann ihn von diesem Akt der Selbstjustiz abhalten. Sie überzeugt Mertens, dass er Brückner vor Gericht bringen muss.

Interessant ist, dass Staudte bei diesem Film keine freie Hand hatte. Oberst Tulpanow brachte seine Bedenken ein. Hieß der Film bei Staudte zunächst „Der Mann, den ich töten werde“, an dessen Ende Mertens den Hauptmann erschießt, so konnte der sowjetische Kulturbeauftragte Staudte überzeugen, dass das als Aufruf zur Selbstjustiz ausgelegt werden konnte. Der neue Titel „Die Mörder sind unter uns“ trug nicht nur erheblich zum Erfolg des Films bei, sondern er lenkte die Intentionen in eine wesentlich wichtigere Richtung. Sie fanden ihren unmittelbaren Ausdruck in der historischen Dimension der aktuellen Ereignisse: Der 15. Oktober 1946, an dem der Film uraufgeführt wurde, war der Tag vor der Vollstreckung der Todesurteile, die in Nürnberg gefällt worden waren. Dass unter den gehängten Nazigrößen der Oberkommandierende der Wehrmacht, Wilhelm Keitel war, bestätigte die Intention von „Die Mörder sind unter uns“.

 

 

 

 

 

Eintritt: 6,00 €/ erm. 3,00 €

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