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10.05.2017 | 19:00 Uhr

„Karla“

„Die DDR im Spiegel verbotener DEFA-Filme“

 

 Eine neue Vortrags-Filmreihe im VERDO mit Hans-Wolfgang Lesch

 

 

Karla“


Nachdem der 1934 geborene Hermann Zschoche seit 1961 einige sehr erfolgreiche Filme für Kinder und Jugendliche gedreht hatte, darunter „Lütt Matten und die weiße Muschel“ nach Benno Pludra, wagte er sich 1965 an seinen ersten Gegenwartsfilm: „Karla“. Als großer Vorteil erwies sich, dass ihm dafür hervorragende Schauspieler zur Verfügung standen, so Jürgen Hentsch, Hans Hardt-Hartloff, Rolf Hoppe, Inge Keller und Jutta Hoffmann in der Hauptrolle der Karla.

Karla tritt nach ihrem Uniabschluss ihre erste Lehrerstelle in einer Kleinstadt im Norden der DDR an. Sie hat die Hoffnung, ihren Schülerinnen und Schülern nicht nur Fakten zu vermitteln, sondern sie vor allem zu selbständigem Denken anzuregen. Doch ihre pädagogischen Ideale stoßen auf Unverständnis, nicht nur bei dem Direktor und den Kollegen, sondern auch bei den Schülerinnen und Schülern, die längst „gelernt“ haben, was von ihnen erwartet wird: was sie sagen sollen und was sie besser verschweigen. Karlas unkonventionelles Verhalten und außerdem ihre Beziehung zu dem „Aussteiger“ Kaspar fallen negativ ins Gewicht. Als sie nach einer Phase der Anpassung – ausgerechnet vor dem Abitur – erneut aufbegehrt, wird sie an eine andere Schule versetzt. Kaspar geht mit ihr.

Dass Hermann Zschoche, für den Ulrich Plenzdorf das Drehbuch geschrieben hatte, mit diesem mutigen Film, der die DDR-Pädagogik und Schulwirklichkeit so „realistisch“ darstellte, anecken würde, war zu erwarten. Selbst der Schnitt einzelner Szenen, die ihm schon auf DEFA-Ebene aufgezwungen worden waren, konnte nicht verhindern, dass auch „Karla“ auf die schwarze Liste des 11. Plenums gesetzt wurde und in den Archiven der DEFA verschwand. Dem Kameramann Günter Ost gelang es nach 25 Jahren, den Film in der ursprünglichen Fassung zu rekonstruieren, so dass „Karla“ am 14.06.1990 (!) im Premierenkino „International“ endlich zur Uraufführung gelangte. Erst 1979, also vierzehn Jahre nach Hermann Zschoche, hat Erik Neutsch mit seiner Novelle „Zwei leere Stühle“ das Problem des Widerspruchs von Erziehungstheorie („Erziehung zum allseitig gebildeten, humanistischen Menschen“) und Erziehungspraxis in der DDR in gleicher Genauigkeit und Schärfe beschrieben.

 

Eintrittspreis 6,00 € p ermäßigt 3,00 €

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