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20.09.2017 | 19:00 Uhr

„Affaire Blum“

Die frühen DEFA-Spielfilme II

 

 Eine neue Vortrags-Filmreihe im VERDO mit Hans-Wolfgang Lesch


Affaire Blum“

 


Erich Engel, einer der bekanntesten Berliner Theaterregisseure, verfilmte 1948 im Auftrag der DEFA einen Roman von Robert A. Stemmle, der später in Westdeutschland selbst einen hohen Bekanntheitsgrad als Filmregisseur erlangte. Genannt seien hier nur beispielhaft „Emil und die Detektive“ (1954), „Die Försterbuben“ (1955) und „Die ganze Welt singt nur Amore“ (1956), um Stemmles spätere Arbeitsausrichtung zu verdeutlichen.

Stemmles Roman „Die Affaire Blum“ beruhte auf den historischen Tatsachen eines Magdeburger Justizskandals des Jahres 1925/26, in dem der jüdische Fabrikant Rudolf Haas wegen Mordes an dem Handelsreisenden Helmuth Helling selbst dann noch in Untersuchungshaft gehalten wurde, als alle Anzeichen bereits für einen anderen Täter sprachen, der als ehemaliger Freikorpskämpfer von deutsch- und rechtsnationalen Kreisen gedeckt wurde. Nur das Eingreifen des sozialdemokratischen Gerichtspräsidenten rettete den jüdischen Fabrikanten vor dem Galgen.

Erich Engels hoch gelobter Spielfilm, dank der einfühlsamen Inszenierung und ausgezeichneter Darsteller ein Klassiker der DEFA, zu dem R.A. Stemmle auch das Drehbuch verfasst hatte, machte deutlich, dass die rassistische Verhetzung und der damit einher gehende Antisemitismus nicht erst Auswüchse des Nationalsozialismus waren, sondern dass sie sich bereits nach dem verlorenen 1. Weltkrieg in vielfachen Erscheinungsweisen zeigten: hier bis in die staatliche Gerichtsbarkeit hinein, die auf ganz anderen als auf demokratischen und rechtstaatlichen Prinzipien beruhte.

Christiane Mückenberger kommentierte „Affaire Blum“ 1994 u.a. so: Der Regisseur „versteht es, dem Betrachter klar zu machen, dass sich das Happy-End, der Sieg der Gerechtigkeit, nur auf einen konkreten Fall bezieht, nicht auf den Fall der deutschen Justiz. Die Beunruhigung bleibt.“ Dieser „Beunruhigung“ wird neben anderen Aspekten und Fragestellungen im Nachgespräch zu dem Film nachzuspüren sein.

Eintrittspreis 6,00 € p ermäßigt 3,00 €

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