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26.04.2017 | 19:00 Uhr

„Der verlorene Engel“

„Die DDR im Spiegel verbotener DEFA-Filme“

 

„Die DDR im Spiegel verbotener DEFA-Filme“
Eine neue Vortrags-Filmreihe im VERDO mit Hans-Wolfgang Lesch

 

 

Der verlorene Engel“


Nachdem Ralf Kirsten 1964 mit dem historischen Mantel- und Degenfilm „Mir nach, Canaillen!“ einen großen Publikumserfolg gelandet hatte, wozu sicherlich auch Manfred Krug in der Hauptrolle beigetragen hatte, wählte der inzwischen sehr bekannte Regisseur für seinen neuen DEFA-Film wiederum ein historisches Thema, allerdings mit ganz anderer Brisanz. Auf der Grundlage von Franz Fühmanns Novelle „Das schlimme Jahr“ entstand der Spielfilm „Der verlorene Engel“ mit dem Untertitel „Ein Tag im Leben Ernst Barlachs“. Dieser Tag ist der 24. August 1937, der Tag, an dem die Skulptur des Engels aus dem Dom zu Güstrow gestohlen wurde.

Ernst Barlach hat in dieser Nacht einen unruhigen Schlaf, aus dem er durch das Klingeln des Telefons gerissen wird. Als er dem nachgeht, wartet seine Lebensgefährtin Martha Böhmer mit dem Hörer in der Hand und der Nachricht auf ihn, dass „Der Schwebende“, wie die Figur eigentlich hieß, aus dem Dom abtransportiert worden ist. Das verwundert nicht, denn die Nazis hatten Barlach als undeutschen, bolschewistischen und entarteten Künstler eingestuft.

Am selben Tag lässt sich Barlach, der seit Jahren völlig zurückgezogen gelebt hat, mit einer Taxe zum Dom fahren und kann durch einen Seiteneingang die Kirche betreten, in der gerade eine Hochzeit stattfindet. Keiner der Beteiligten, auch der Pfarrer nicht, beachtet, dass über ihnen die leeren Haken von der Decke herabhängen. Symbolisch geht die Hochzeitsgesellschaft in eine Trauergesellschaft über.

Obwohl der Film erst 1966 fertig gestellt wurde, traf ihn der späte Bann des Kahlschlagplenums. Die DEFA wagte nicht, diesen Film „höheren Orts“ vorzulegen, da schon die Fertigstellung von wachsender Kritik begleitet war. So wurde dem Regisseur nicht nur mangelnde Publikumswirksamkeit des Films vorgeworfen, sondern auch eine „verwaschene philosophische Konzeption“ und eine „indifferente humanistische Aussage“. In der Tat: Ein Musterbeispiel für den „sozialistischen Realismus“ hatte Kirsten nicht liefern wollen, und einen „positiven Helden“ schon gar nicht.

Umso erstaunlicher das weitere Schicksal des Films. Am 18.12.1970 fand die feierliche Uraufführung in der Botschaft der DDR in Moskau statt. Und die Premiere für die DDR folgte am 22. April 1971 mit großem Aufwand im neuen Uraufführungskino „Colosseum“ in Ostberlin – das übrigens mit höchstem Lob von Erich Honecker, der im Dezember 1965 im Auftrag Walter Ulbrichts die Attacken gegen die „entartete, weil unsozialistische Filmkunst“ geritten hatte.

Aber das war beileibe keine Ausnahme im Hinblick auf die Kultur- und Filmpolitik der DDR. Die Filmreihe der verbotenen Filme wird dafür weitere Beispiele liefern.




Veranstaltungsort: VERDO Hitzacker (Raum Weinberg)
Beginn: 19.00 - 22.00 Uhr
Eintrittspreis 6,00 € p ermäßigt 3,00 €

 

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