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01.11.2017 | 19:00 Uhr

„Der Rat der Götter“

Die frühen DEFA-Spielfilme VII

 

Eine neue Vortrags-Filmreihe im VERDO mit Hans-Wolfgang Lesch

 

 

 


Der Rat der Götter“


Der zeitgeschichtlich bedeutendste frühe DEFA-Film ist sicherlich „Der Rat der Götter“, der am 12. Mai 1950 in DEFA-Premierenkino „Babylon“ Premiere hatte. Wie wichtig der DEFA dieser Film war, zeigt sich schon daran, dass nicht nur Kurt Maetzig für die Regie gewonnen wurde, sondern der aus der Sowjetunion zurückgekehrte Friedrich Wolf, Vater von Konrad und Markus Wolf, für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Dazu kam eine herausragende Besetzung der Hauptrollen mit Schauspielerinnen und Schauspielern, die, abgesehen von der großartigen Inge Keller, später fast alle „ihr Brot“ im Westen verdienten.

Die Grundlagen des Spielfilms bildeten eine 1947 erschienene Dokumentation über die IG Farben von Richard Sasuly und die Protokolle der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Der Film beleuchtet den Weg der IG-Farben von 1930 bis 1947. Im Mittelpunkt der Handlung stehen der Vorstandsvorsitzende Geheimrat Mauch – eine deutliche Anspielung auf den verurteilten Kriegsverbrecher Carl Krauch (1867 bis 1968) – und der fiktive Chemiker Dr. Scholz. Beide sind hauptverantwortlich für die Rüstungsproduktion und die Giftgasherstellung der IG-Farben, ohne die weder der Luftkrieg noch die Massenvernichtung in den Konzentrationslagern möglich gewesen wären. Und beide verdrängen, dass sie damit den Nazis in die Hände spielen. Erst 1948 schweigt Scholz nicht länger, als eine verheerende Explosionskatastrophe in Ludwigshafen beweist, dass der Konzern trotz des gerichtlichen Verbotes wieder Sprengstoffe herstellt.

Geradezu grotesk mutet an – und das ist historisch zweifelsfrei belegt! – dass während des 2. Weltkrieges die us-amerikanische Standard Oil mit der IG-Farben paktierte. Diese erhielt im Austausch für wertvolle Patente von den Amerikanern Zusatzstoffe für die Herstellung von synthetischem Benzin und teilte sich mit ihnen den Gewinn am Flugbenzin. So war Standard Oil indirekt an den Bombenangriffen auf England beteiligt, eine Tatsache, die erst sehr spät öffentlich wurde, weil die Amerikaner im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess gegen die IG-Farben ihren „knallharten“ Chefankläger zurückzogen, darauf bedacht, ihre Position in Westdeutschland gegenüber der Sowjetunion zu festigen – ein frühes Indiz für den beginnenden „Kalten Krieg“.

Dass der Film mit der Darstellung dieser Wahrheiten in Westdeutschland keine Chance hatte, liegt auf der Hand. Der „Interministerielle Ausschuß für Ost-West-Filmfragen“ verbot die Aufführung in der Bundesrepublik Deutschland.

Gerade im Hinblick auf die deutsche Geschichte von 1930 bis zum Ende der Adenauer-Ära und darüber hinaus bis mindestens 1970 sollte dieser DEFA-Spielfilm heute viel häufiger im Fernsehen gezeigt werden.




Veranstaltungsort: VERDO Hitzacker (Raum Weinberg)
Beginn: 19.00 - 22.00 Uhr
Eintrittspreis 6,00 € p ermäßigt 3,00 €

 

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