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08.11.2017 | 19:00 Uhr

„Familie Benthin“

Die frühen DEFA-Spielfilme VIII

 

 

 

 

 

 

Eine neue Vortrags-Filmreihe im VERDO mit Hans-Wolfgang Lesch

 

 


Familie Benthin“


Ein Spielfilm, der in der frühen Geschichte der DEFA keinesfalls fehlen darf, ist der 1950 gedrehte Film „Familie Benthien“. Denn anders als die anderen frühen DEFA-Filme entstand er auf Grund eines Parteiauftrags der SED an die DEFA. Nachdem im Oktober 1949 die „Deutsche Demokratische Republik“ gegründet worden war – übrigens erst viereinhalb Monate nach der Gründung der Bundesrepublik – standen im Oktober 1950 die ersten Wahlen zur Volkskammer an. Und dafür verlangte die SED von der DEFA einen Film, der die Vorzüge des sozialistischen Staates gegenüber der kapitalistischen BRD deutlich herausstellen sollte.

Dafür wurde ein Drehbuchteam zusammengestellt – allesamt Parteimitglieder – deren Bekanntheit nichts zu wünschen übrigließ: Johannes R. Becher, Slatan Dudow, Kuba, Ehm Welk u.a. Mit ihrem Drehbuch machte sich der Direktor der DEFA, Albert Wilkening, auf den Weg zu seinem Wunschregisseur Wolfgang Staudte in den britischen Sektor. Staudte las die ersten Seiten, dann ging er zum Fenster, machte es auf und warf das Drehbuch hinaus. Wilkening hastete hinterher, um zu verhindern, dass das Drehbuch in die Hände eines „Klassenfeindes“ geriete.

Nachdem also Wolfgang Staudte sich auf so drastische Weise geweigert hatte, den Film zu drehen, erhielten Slatan Dudow, Kurt Maetzig und Richard Groschopp von der SED den Parteiauftrag, den Film zu drehen. Das Ergebnis war ihnen später so peinlich, dass sie darauf bestanden, im Vorspann als Regisseur „Ein Kollektiv unter Leitung von…“ anzugeben.

Der Film verfügt über zwei Handlungsstränge, den der Familie Benthin und den der Familie Naumann, die miteinander mehrfach verknüpft werden, ganz besonders durch Annemarie Naumann, die Putzfrau der Familie Benthin, die in Magdeburg lebt. Deren Familienoberhaupt Gustav ist Stadtrat geworden, aber seine Frau will in den Westen, weil sie die Enteignung fürchtet. Sein Bruder Theo, der in Braunschweig den Westteil der Firma führt, drängt ihn zu bleiben, um Waren im Osten aufzukaufen und in den Westen zu bringen. Andererseits schmuggelt er Geld nach Osten, um es vor der erwarteten Währungsreform in Sicherheit zu bringen. Schließlich räumt West-Benthin die Firma in Magdeburg aus, aber der Transport kippt an der Grenze um, und Ost-Benthin wird verhaftet.

Demgegenüber gelingt es zwei Kindern der Familie Naumann, die ursprünglich auch den Verlockungen des Westens erliegen, in den Osten zurückzukehren und wertvolle Mitglieder der neuen sozialistischen Gesellschaft zu werden, während der älteste Bruder, der im Westen scheitert, in die Fremdenlegion geht und in Vietnam umkommt.

Am Ende marschieren die Werktätigen mit frohen Gesichtern zur Republikgründung und propagieren eine „sozialistische Menschengemeinschaft“, die es so in den vierzig Jahren der DDR nie gegeben hat.

 

 

Veranstaltungsort: VERDO Hitzacker (Raum Weinberg)
Beginn: 19.00 - 22.00 Uhr
Eintrittspreis 6,00 € p ermäßigt 3,00 €

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