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23.05.2017 | 19:00 Uhr

„Hände hoch - oder ich schieße!“

„Die DDR im Spiegel verbotener DEFA-Filme“

 

 Eine neue Vortrags-Filmreihe im VERDO mit Hans-Wolfgang Lesch

 

Hände hoch – oder ich schieße!“


Wie wenig die „Staatsmacht“ der DDR sich auf die Schippe nehmen ließ und dass ihr auch in den kleinen Dingen des Lebens der Humor abging, lässt sich beispielhaft an der vom 11.09.1965 bis zum 07.01.1966 gedrehten und nicht ganz fertig gestellten Kriminalkomödie „Hände hoch – oder ich schieße!“ nachvollziehen. Dieser Film, zu dem der in der DDR sehr bekannte Komödienautor Rudi Strahl das Drehbuch beigesteuert und den Hans-Joachim Kasprzik in Szene gesetzt hatte, war zur Zeit des 11. Plenums noch gar nicht fertig, wurde aber von der DEFA zunächst zurückgehalten und dann von der Hauptverwaltung Film im Kulturministerium nicht abgenommen. Was waren die Gründe?

Der Meißner Kriminalbeamte Holms, glänzend dargestellt von Rolf Herricht, langweilt sich in seinem Beruf, weil nichts passiert. Er träumt von einem großen Fall; stattdessen soll er einen Kaninchendiebstahl aufklären. Als sein Fahrrad gestohlen, wiedergebracht und erneut gestohlen wird, glaubt er zu halluzinieren und sucht die Hilfe eines Psychiaters. Der rät ihm, ruhig zu bleiben und alles zu ignorieren. Holms’ Nachbar, ein Exganove, will ihm zum „großen Fall“ verhelfen und klaut nachts vom Marktplatz das Denkmal des Herzogs Nepomuk. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Am Ende wird das Ganze als grober Unfug abgetan, und alle sind froh – nur Holms nicht: Der geht wieder zum Psychiater.

Dieser mit sehr viel Witz, Ironie und Satire gespickte Film scheiterte am Einspruch des Innenministers der DDR. Zur Begründung wurde angeführt, dass der Film „in der gegenwärtigen Situation (1965/66) auf dem Gebiet der Kriminalität nicht zu einer erhöhten Wachsamkeit der Bevölkerung“ aufrufen würde, sondern „den Eindruck erweckt, als sei alles in Ordnung“ (DEFA-Betriebsarchiv). Dazu ein Kriminalbeamter, der in Melancholie verfällt und den Psychiater aufsucht: Das konnte es nicht geben.

So bildet „Hände hoch – oder ich schieße!“, der erst 2009 (!) fertig gestellt und uraufgeführt wurde, einen geradezu idealen Abschluss der Vortrags-Filmreihe „Die DDR im Spiegel ihrer verbotenen DEFA-Filme“.

 

 

Veranstaltungsort: VERDO Hitzacker (Raum Weinberg)
Beginn: 19.00 - 22.00 Uhr
Eintrittspreis 6,00 € p ermäßigt 3,00 €

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